«Die Leute, die ich treffe, interessieren mich nicht genuin.»

 

 

«Es sind die

Begegnungen mit Menschen, die das Leben lebenswert machen.»

 

Guy de Maupassant

Kann ein Quereinsteiger endlich journalistische Erfahrungen sammeln, pendelt er gefühlsmässig oft zwischen der Freude über diese Chance und der Angst vor dem leeren Blatt. Aber nicht nur: Begegnungen mit prominenten Leuten können ihm am Anfang ebenfalls zusetzen.

 

Die Tätigkeit im Medienbereich fordert eine hohes Mass an Flexibilität, denn

regelmässige Arbeitszeiten sind hier selten. Ebenso wichtig sind ein gutes

Allgemeinwissen, Kommunikationsfähigkeit sowie Neugier. Wenn man mit Notizblock und Schreibstift beobachtend und reflektierend unterwegs ist, darf man aber ebenfalls keine Angst haben, sich an Veranstaltungen, Vorträge oder Seminare zu begeben und dort fremde Menschen anzusprechen.

 

Die ersten Besuche von grösseren Anlässen kamen für mich Herkulesaufgaben gleich. Ich empfand es als Stress, mit Fremden zu interagieren. Vor allem dann, wenn es sich noch um prominente Leute handelte. Prominente Leute wie Mark van Huisseling.

«MvH» steht für Mark van Huisseling

Mark van Huisseling ist ein Schweizer Journalist, Kolumnist und Redaktionsleiter. Von 2002 bis 2007 publizierte er in der «Weltwoche  in seiner Kolumne «MvH trifft» regelmässig die Abschrift eines Gespräches aus

seiner Begegnung mit einer Persönlichkeit; seit 2013 führt er diese Reihe fort;

zwischen 2007 und 2013 schrieb er in der «Weltwoche» eine Gesellschaftskolumne.

 

«MvH» ist bei der «Weltwoche» auch für das «WW Magazin» zuständig (Beilage der Weltwoche; erscheint zurzeit 6-mal jährlich; wurde von MvH 2007 mitgegründet).

 

Ebenfalls verantwortlich und mitverantwortlich ist Mark van Huisseling unter anderem für das «Schild Journal», die Zeitschrift des gleichnamigen Schweizer Mode-Handelsunternehmens sowie für «Saft & Kraft», das Kundenmagazin der Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ).

 

Mit seiner Firma  «MvH Industries» realisieren er und seine Mitarbeiter  Kundenmagazine und andere Kommunikationsplattformen.

«MvH» steht auch für «Lesespass»

Aber nun zurück zum Thema. Dass Mark van Huisseling auch Bücher geschrieben hat, erwähnte ich nämlich noch nicht. Zuletzt erschienen ist 2013 sein literarischer Reiseführer «Zürich», in dem er über Geld, Zicken, den «richtigen» Stadtkreis, das Zürich der Zürcher und das Zürich anderer Leute berichtet.

 

Das Reich der Reichen und das Leben der Stars haben respektive hatten es ihm besonders angetan. Ein Beweis dafür bieten die 50 lustigsten Star-Interviews, die er zwischen 2002 und 2006 geführt hat und die 2009 im Buch «Wie man berühmte Leute trifft» wiedergegeben wurden.

 

Ein Bestseller war in der Schweiz aber sein Buch «How to be a Star» (ersch.

2006; Nagel & Kimche, Zürich). Nachdem MvH während knapp fünf Jahren rund 200 Berühmtheiten befragt und die Gespräche als wöchentliche Kolumne in der «Weltwoche» veröffentlicht hatte, schloss er seine Laufbahn als Star-Interviewer mit diesem Buch ab.

 

«How to be a Star» brachte ihm zahlreiche Fernsehauftritte, eine eigene Radioshow, eine eigene TV-Serie und – natürlich nicht zu vergessen – eine Einladung in die «Rathus-Schüür» in Baar ein.

 

Im Anschluss an diesen Bestseller habe er sich entschieden, sich «anderen Gegenständen» zuzuwenden. Er habe die Mechanik, die hinter dem Starbetrieb wirke, auseinandergenommen und sie für nicht weiter verfolgenswert erkannt, erklärte mir Mark van Huisseling, als ich für diesen Beitrag Kontakt zu ihm aufgenommen habe.

Ausgerechnet ich bekam diesen Auftrag

Der von der Bibliothek organisierte

Talk-Abend mit Mark van Huisseling war bereits viele Wochen vorher das Thema in der Gemeinde. Alle Leute schienen ihn zu kennen, den selbstbewussten Journalisten mit der Sonnenbrille, der aus der Erfahrung seiner Begegnungen mit berühmten Leuten berichtete. Mit seinem gelungenen, hochgradig komischen Brevier für den steilen Aufstieg in die bunte, schrille Welt des Glamours, hatte er sich in die Herzen der Leser geschrieben. Er kam nach Baar und ausgerechnet mir wurde der Auftrag erteilt, für den «Zugerbieter» über den Anlass einen Text zu verfassen und der Redaktion dazu noch ein Bild von MvH abzuliefern.

Obschon Mark van Huisselings Besuch in Baar bald zehn Jahre zurückliegt, erinnere ich mich noch sehr gut, wie ich mich mit zitternden Beinen auf den Weg zur «Schüür» machte. Meine Gefühle pendelten nicht nur zwischen

Ich stellte mir auch noch ständig vor, was alles

passieren könnte ..

der Freude über diese Chance und der Angst vor dem leeren Blatt. Ich stellte mir auch noch ständig vor, was alles passieren könnte: beim Fotografieren über etwas stolpern; die Kamera fallen lassen; nicht verstehen, was der Autor antwortet …

Meine Ängste vor prominenten Leuten habe ich inzwischen ziemlich gut in den Griff bekommen. Daher habe ich mich auch nicht davor gescheut, nochmals Kontakt zu Mark van Huisseling aufzunehmen. Rund zehn Jahre nach der für mich äusserst anstrengenden ersten Begegnung mit ihm.

 

Er schien sich über meine Kontaktaufnahme sogar zu freuen und versicherte mir, dass er selbstverständlich gerne einige Fragen beantworten werde. So schliesst sich für mich ein Kreis; ich kann die Beitrags-Reihe über Schreibende, die sich mit ihren Texten einen Namen machten, gleich mit dem Autor beginnen, mit dem ich meinen Quereinstieg startete. 

Erstmal vielen herzlichen Dank, Herr van Huisseling, dass Sie sich so spontan dazu bereit erklärten, hier noch einige Fragen zu beantworten.

 

Sat: Sie sind in Bern aufgewachsen, haben sich nach der Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten sowie dem Abschluss einer höheren Wirtschaftsschule (HKG) dem Journalismus zugewandt und hatten in den vergangenen zehn Jahren schon viele Gelegenheiten, «durchs Schlüsselloch in den Salon von Reichen zu blicken». Sie waren, wie Sie in Ihrem Artikel «Im Reich der Reichen» schreiben, dabei, wenn Reiche sich trafen und (sich) feierten. Warum haben Sie sich als Journalist so «auf diese Welt» konzentriert?

 

MvH: Ich denke, wenn man seine ganze Laufbahn als Journalist oder Autor verbringen will, sollte man ein Gebiet  finden, in das man sich besonders einarbeiten kann. Um dann auf diesem Feld - idealerweise - gut und kundig zu werden. Das habe ich versucht mit den Feldern: Berühmtheiten, Reiche und Stil. Wenn es einem dann gelungen ist, in einem gewissen Sinn als Marke wahrgenommen zu werden von Lesern und Auftraggebern, kann man sich zu einem Teil auch wieder anderen Themen widmen. So sehe ich es jedenfalls.

 

Auch damit es einem nicht langweilig wird. Wenn mich wieder jemand fragt, wer der interessanteste Prominente sei, den ich bisher befragt habe oder wen ich gerne noch befragen möchte, langweilt mich meine eigene Antwort. Und die Frage langweilt mich ebenfalls.

Sat: In Ihrem Artikel «Im Reich der Reichen» schilderten Sie auch Ihre Begegnung mit Mouna Ayoub (Ex-Frau eines ehemaligen saudischen Königs; gemäss Zeitschriftenberichten eine der reichsten Frauen der Welt). Sie hatten auf elf Uhr vormittags ein Treffen mit ihr vereinbart. Mouna Ayoub ist schliesslich kurz vor Mitternacht gekommen, hat sich dann aber offenbar wirklich alle Zeit der Welt für Sie genommen. Sie schläft nachts schlecht! Wie sind Sie mit solchen Situationen «umgegangen»? (Ich meine «innerlich»)

 

MvH: Professionell. Ich muss ihr nicht gefallen und sie muss mich nicht wichtig finden. Sie ist der Star. Ich bin der Schreiber. Das ist in Ordnung. Sie braucht mich bis zu einem Punkt, wie ich sie brauche. Wenn ich am folgenden Tag nichts Dringendes vorhabe, ist es mir egal zu warten. Vor allem an einem Ort wie in Monte Carlo im Juli – oder wann es war.

Sat: Wenn man sich mit Stars trifft, wie Sie das unter anderem in Ihrem Buch «How to be a Star» schilderten, dann darf man wirklich keine Angst vor der Begegnung mit Menschen haben… Kennen Sie das überhaupt - Angst vor Auftritten oder Begegnungen? Oder zumindest mal ein etwas flaues Gefühl?

 

MvH: Wie gesagt, ich gehe professionell mit diesen Treffen um. Die Leute, die ich treffe, interessieren mich nicht genuin. Sonst wäre ich ja nicht mehr professionell. Ich hoffe bloss jeweils, dass sie wissen, dass sie eine Verabredung haben – mit mir. Und dass sie einigermassen vorbereitet sind auf einen Journalisten, der da kommt, und 51 Jahre alt ist und das als Beruf macht. Und nicht, weil er ein Fan von ihnen ist.

Sat: Herr van Huisseling, was werden Sie als nächstes tun?

 

MvH: Meinen ersten Roman fertig schreiben.

 

Sat: Worum geht es in diesem Roman? Dürfen wir hier vielleicht schon etwas darüber erfahren?

 

MvH: Zürich im August 2008. Wenige Wochen bevor die grosse Wirtschaftskrise aus Amerika nach Europa und in die Schweiz kommt, sind der Privatbankier Niklaus Helfenstein und seiner wichtigsten Mitarbeiter mit sich, ihrem Leben, ihrer Laufbahn, ihren Sorgen, ihren Frauen und deren Pläne beschäftigt. Doch schon in wenigen Tagen wird nichts mehr sein, wie es die längste Zeit war.

 

Sat: Das klingt spannend! Dann hoffen wir, nicht mehr lange warten zu müssen, bis Ihr Buch auf dem Markt erscheint!

 

Interview: Daniela Sattler; Bilder: Pixabay und D. Sattler