Eine Vorliebe für die Welt aus Buchstaben, Wörtern und Sätzen

 

 

«Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter

weglassen.»

Mark Twain

Es gibt zwei Gruppen von Schreibern, die ein bisschen reich werden: jene, die einen grossen Namen und Glück haben und die anderen, die als vorzügliche Handwerker im Auftrag schreibend Marktbedürfnisse befriedigen können.

 

Während es sich bei den einen um verschwindend wenige handelt, gehören die anderen grösstenteils nicht zu den Literaten im engeren Sinne.

 

Eigentlich sollte ja auch ich einer anderen Tätigkeit nachgehen. Aus finanzieller Sicht zumindest. Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass ich einfach schreiben will und muss. So habe ich mich vor rund 15 Jahren dazu entschlossen, mich der Welt aus Buchstaben, Wörtern und Sätzen zuzuwenden.

 

Schreiben ist für mich ein Mittel zur Selbstverwirklichung und eine Erfüllung, für die ich bereit bin, vieles auf mich zu nehmen. Sicher, auch ich würde ein ansehnlicheres Autorenhonorar nicht ablehnen. Trotzdem veranlassen mich nicht nur gute Honoraransätze zum Verfassen von Texten. Die primäre Motivation sieht im Grunde meistens anders aus.

 

Manchmal geht es mir darum, mir mit einem Anliegen Gehör zu verschaffen oder meine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Ein ganz besonders starker Anreiz ist für mich jedoch immer der ästhetische Genuss bei der Kreation von Wortkunstwerken.

Eine Deutung, die Verwirrung stiftet

Die Deutung der Wirklichkeit mittels Wort, Satz und Sprache, liess mich bereits in jungen Jahren spüren, dass dies eine Wirklichkeit ist, die mir etwas vorenthält. Diese nachhaltig in meinen Verstand eingeprägte Wirklichkeit, sorgte bei mir oft für Verwirrung. Sind nicht gerade unzulängliche Worte häufig Ursache des Scheiterns?

 

Was kann man dagegen tun? Man feilt dem Wort die Kanten ab und macht es runder, damit seine Bedeutung im Satz auch gefühlt werden kann. Die Sprache hat nämlich einen verblüffenden Einfluss auf unser Fühlen und Denken. Worte beeinflussen tagtäglich, wie wir denken und handeln, was wir wahrnehmen und woran wir uns erinnern.

 

Wer eine Liebeserklärung bekommt oder in einen heftigen Streit gerät, der spürt, wie Sprache berührt. Worte können trösten oder tief verletzen und manche hängen einem tage- oder gar jahrelang nach.

 

Manchmal bekommen wir den Einfluss der Worte aber auch gar nicht mit. In der Werbung beispielsweise. Oder schmeckt Gebäck etwa nicht besser, wenn es nach einem «Rezept der Grossmutter» gebacken oder «traditionell» erzeugt wurde? Unsere Wahrnehmung lässt sich von Begriffen leiten. Sie ist nicht objektiv.

 

Schreiben kann vom Lesen nicht getrennt werden

Schreiben heisst: sich selber lesen», dieses Zitat von Max Frisch (1) gilt meiner Meinung nach für jede Art des Schreibens, und wenn ich vom Schreiben spreche, beziehe ich das auf einen Vorgang, den ich vom Lesen nicht trennen kann. Eine tiefe Vertrautheit mit dem Lesen bildet nämlich nicht nur das Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten, sondern auch das Wissen um die eigenen Grenzen.

 

Ich weiss nicht, was ich an dieser Stelle zu meinen Texten erklären soll. Vielleicht, dass ich einige davon lieber schreibe als andere, mich aber die meisten Abfassungen viel Zeit kosten und ich - wie bereits erwähnt - wenig an ihnen verdiene?

Schreiben beinhaltet auch einen Denkprozess

Schreiben beinhaltet für mich auch einen längeren Denkprozess: Wie verwandle ich meine Gedanken zu Bildern und Melodien? In der Planungsphase notiere ich meine Gedankengänge; überlege mir, wie ich diese strukturieren könnte. Ich suche nach Wegen; verwerfe Ideen; suche nach neuen Wegen und verwerfe auch diese wieder.

 

In der Schreibphase komme ich dann manchmal an einen Punkt, an dem ich kein Wort mehr an das nächste setzen kann. Wie gehe ich mit den Wörtern und Sätzen um, damit mein Text am Leben bleibt?

 

Mit meinem Bedürfnis, mich sehr nahe und sehr kritisch mit meinen Texten

auseinanderzusetzen, habe ich bereits einige Beziehung strapaziert. Aber ich

bin heute für nichts auf der Welt mehr bereit, auf das Schreiben zu verzichten.

 

(1)

Indem man es nicht verschweigt, sondern aufschreibt, bekennt man sich zu seinem Denken […]

Schreiben heisst: sich selber lesen. Was selten ein reines Vergnügen ist;

(Max Frisch, Tagebuch 1946-1949, Suhrkamp Verlag, S. 19 – Vom Sinn eines

Tagebuches)

Text: Daniela Sattler; Bild: Pixabay