«Schreiben ist die Hölle, geschrieben haben der Himmel»

 

 

«Manchmal ist eine Schreibblockade

für die Leser ein Segen, das wollen wir nicht vergessen.»

 

Marcel Reich-Ranicki

 

 

 

Wenn sie kommt, dann kommt sie einfach so, ohne sich vorher anzukündigen. Ich nehme an, dass sie schon jedem Schreibenden mal in die Quere gekommen ist. Dies natürlich stets dann, wenn er sie gar nicht gebrauchen konnte. Okay, wirklich gebrauchen kann man sie ja eigentlich nie…

 

Wenn jedoch der Abgabetermin vor der Tür steht und einem partout nichts einfallen will, ist es besonders schlimm, wenn sie kommt. Dann kann der leere Monitor nämlich zur Bedrohung werden und jede Abfolge von Wörtern zu einer peinlichen Demonstration der eigenen Unfähigkeit zu formulieren.

Die Qual, erst einen guten ersten Satz zu schreiben, dann einen guten zweiten Satz und so weiter…  Als freie Autorin für zwei Print-Medien kenne ich diesen Krampf sehr gut, denn da müssen die Abfassungen generell „auf die Zeile genau“ geschrieben werden. So ist es hier oft nicht nur der Anspruch an den eigenen Text, der blockiert, sondern auch die Furcht vor dessen Mindestumfang.

 

Ich habe schon etliche Schreibblockaden erlebt und sie auch überwinden können. Das nimmt dann irgendwann schon den grössten Schrecken.

Strategien zur Vermeidung von Blockaden suchen

Mal hatte ich Mühe, einen Textanfang zu finden, dann wieder war die Planung des Textes zwar da, aber das Schreiben gelang einfach nicht. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich den Schreibprozess mehrmals unter- oder abbrechen musste, worauf mir natürlich prompt keine Ideen oder Formulierungen mehr einfallen wollten, als ich mich dem Text wieder zuwandte. Ja, wenn ich an solche Situationen denke, könnte ich direkt in Selbstmitleid versinken. Aber

ich glaube, das interessiert hier niemanden wirklich.

 

„Schreiben ist die Hölle, geschrieben haben der Himmel“, so die Journalistin Sibylle Krause-Burger und offenbar suchen viele schreibende Menschen nach Strategien, ihre Schreibblockaden möglichst schnell durchbrechen zu können. Ich denke jedoch, es ist viel wichtiger, eine Strategie zur Vermeidung solcher Situationen zu finden.

 

Zeitdruck und selbst auferlegter Perfektionismus

Bei mir entstehen Schreibblockaden häufig aus Zeitdruck und/oder aus einem selbst auferlegten Perfektionismus. Im schlimmsten Fall kann es dann durchaus vorkommen, dass ich mehrere Stunden auf eine „göttliche Eingabe“ warte.

 

Da ich unterschiedliche Schreibaufträge zu erledigen habe, greife ich in solchen akuten Situationen meist auf eine andere Textarbeit zurück. Ich konzentriere mich dadurch auf ein völlig anderes Thema, über das ich vielleicht noch nicht recherchiert habe oder das ich noch in aller Ruhe in einem Grobentwurf zusammenfassen kann. Hilft das nichts, dann gibt es für mich nur eines: Weg vom Schreibtisch und eine andere Tätigkeit verrichten. Bügeln oder putzen beispielsweise.

 

Mir ist jedoch aufgefallen, dass ich oft auch in Schwierigkeiten komme, wenn ich mich nach umfangreichen Arbeiten nicht genügend ausruhe. Daher plane ich zwischen den verschiedenen Aufträgen jetzt immer eine Regenerationszeit ein.

Sich selber motivieren

Meine Motivation ist: Ich will schreiben und ich kann schreiben! Aus diesem Grund mache ich mich jeweils nicht erst kurz vor dem Abgabetermin an die Arbeit. Vor dem Schreiben steht für mich nämlich das Recherchieren. Lieber zu vie als zu wenig. Das ist meine Devise. Aber Vorsicht! Zu viele Informationen können auch Ballast sein.

 

Trage ich die Informationen zusammen, entsteht in meinem Kopf bereits eine Gliederung. Manchmal fallen mir dabei sogar schon Sätze ein, die irgendwie gut in den Text passen könnten. Diese notiere ich mir dann immer sofort, egal wo ich gerade bin.

 

Danach wird geschrieben…

 

Wenn der Text fertig ist,frage ich mich: Ist er auch gut und genügt er meinen eigenen Ansprüchen? Dies jedoch kann ich erst feststellen, wenn ich den Entwurf noch einmal mit dem nötigen Abstand durchlese. Für mich ist das eine wichtige Voraussetzungen für einen guten Text: Ruhen lassen und später nochmals überarbeiten. Der Druck ist bei dieser Überarbeitung dann bereits raus und es geht nur noch um den Feinschliff.

Wenn der Text in wenigen Stunden „stehen“ muss

Selbstverständlich kann ich bei Berichten für Medien, die täglich erscheinen, nicht so vorgehen, denn dort müssen die Texte von der Idee bis zur Vollendung in wenigen Stunden „stehen“. Bei solchen Aufträgen habe ich mir angewöhnt, für mich einen kleinen Vorspann zu verfassen.

 

Was muss unbedingt in den Text rein? Welche Fragen sind für den Leser interessant? Gibt es etwas Originelles zu erwähnen? Je besser ich weiss, womit ich den Leser in meinem Artikel „abholen“ könnte und welche zusätzlichen Informationen für ihn neu wären, desto gezielter kann ich schreiben.

 

Ich beginne in solchen Fällen meistens auch nicht gleich mit dem ersten Absatz, sondern widme mich jenen Abschnitten, welche die wichtigsten Punkte enthalten. So habe ich wenigstens mal ein Gerüst und die weiteren  Abschnitte sowie der Einstieg fallen mir schon etwas leichter.

 

Sind die übrigen Absätze dann ebenfalls geschrieben, bringe ich sie in eine dramaturgisch und logisch sinnvolle Reihenfolge und glätte die Übergänge.

 

Was ich tue, wenn mich trotzdem eine Schreibblockade ereilt? Durchbeissen, durchbeissen, durchbeissen... Jammern bringt eh nichts...

Text: Daniela Sattler; Bild: Pixabay