«Es geht darum, bewusst natürliche Stärken zu nutzen»

 

 

«Von allen Lebenskompetenzen,

die uns zur Verfügung stehen, ist Kommunikation wohl die mächtigste.»

Bret Morrison

 

Ich kenne sie bereits zur Genüge, die Situationen, in denen ich nach einem Gespräch dachte: «Also das ist wieder nicht so gelaufen, wie ich es wollte. Wieder bin ich kaum zu Wort gekommen und meine Argumente wurden wieder überhört.»

 

Hier ein kleiner Trick, dort ein bisschen Hintergrundwissen – nachdem ich Isabel Garcías Buch «Ich REDE. Kommunikationsfallen und wie man sie umgeht» gelesen hatte, gelang es mir sehr bald, meine Kommunikation zu verbessern. Wen verwundert es , dass ich total von dieser Autorin fasziniert bin?

 

Von der Steuerfachangestellten zur erfolgreichen Rednerin

 

Isabel García ist eine deutsche Rednerin, Sprecherin, Autorin und Unternehmerin. Bevor sie an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg Gesang studierte, absolvierte sie eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten.

 

1994 erreichte sie den 1. Platz beim Stimmtreff der Sängerakademie in Hamburg. Danach arbeitete sie als Gesangslehrerin und Chorleiterin, sprach für den Radiosender magic.fm Werbung ein und moderierte dann für diesen später ebenfalls . Als magic.fm zu „Mix 95.0“ wurde, war sie dort am Vormittag auch regelmässig für die Ansage zuständig. Nach einem Jahr wechselte sie zu R.SH, im Januar 2002 zu NDR 1 Radio MV in Schwerin und im Januar 2007 vom Radio zum Fernsehen (TIDE TV und noa4).

 

Doch neben diesen Tätigkeiten arbeitete Isabel García auch als Bühnenmoderatorin und liess sich in Wien zur Diplomsprecherin ausbilden. 2004  gründete sie ihr Lerninstitut ICH REDE, und 2009 brachte sie «Ich REDE. Kommunikationsfallen und wie man sie umgeht» in ihrem eigenen Buchverlag auf den Markt. Für dieses Werk erhielt sie innerhalb eines Jahres drei Auszeichnungen.

 

2010 folgte « Ich REDE. Spontan und humorvoll in täglichen

Kommunikationssituationen» in Zusammenarbeit mit Eva Ullmann und im Jahr 2011 « Ich REDE. Ein Hoch auf Deutsch», ein Sprecherziehungshörbuch.

 

Seit 2012 lebt Isabel García in Sevilla und Hamburg. Sie arbeitet derzeit hauptsächlich als singende und schauspielernde Rednerin. 2013 gewann sie den Publikumspreis der Dresdner und Hamburger Erfolgstage als beste Rednerin.

 

Dieses Buch geht noch einige Schritte weiter

 

Ende September ist nun ein weiteres Buch von Isabel García erschienen. «Ich kann auch anders», so der vielversprechende Titel. In dem von ihr vorgestellten Kommunikationsmodell bildet zwar die Vier-Säfte-Lehre von Hippokrates von Kos, die später die Temperamenten-Lehre genannt wurde, ebenfalls den Grundstein. Isabel García verlässt dieses Modell dann aber, weil es ihrer Meinung nach der persönlichen Weiterentwicklung zu wenig Raum lässt.

 

Inspiriert von Frieder Nögge; eigentlich Ekkehart Scheuthle, ersetzt sie daher

den heiteren, aktiven Sanguiniker; den passiven, schwerfälligen Phlegmatiker; den traurigen, nachdenklichen Melancholiker und den reizbaren, erregbaren Choleriker durch die vier Elemente Feuer, Erde, Wasser und Luft.

 

Nögge hatte sich dazu aber noch sechs Gesten ausgedacht, die er immer in derselben Abfolge durchspielte und mit jedem einzelnen Element verband, um die unterschiedlichen Charaktere zu üben.

 

Die Gesten hatten den Zweck, auf der Bühne alles und jeden spielen und parodieren zu können.

 

Sich traurig fühlen, ohne traurig zu sein

 

Isabel García erklärt in ihrem neusten Buch, wie sie mit diesem Modell lernte, melancholisch eine Liebesballade zu singen, ohne selbst einen Kloss im Hals zu haben: Also sich traurig zu fühlen, ohne traurig zu sein, aber auch sich fröhlich zu fühlen, ohne fröhlich zu sein.

 

Die Autorin ist Mitglied bei Xing und so habe ich vor einiger Zeit Kontakt zu ihr aufgenommen. 

 

D. Sattler: Grüezi, Frau García. Erstmal herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für mich nehmen.

 

Sie wissen es bereits: Als ich mit Ihrem Buch «Ich kann auch anders» begann, war ich erst ziemlich verwirrt und nicht nur das - ich fühlte mich auch total überfordert.

Nachdem ich dann im Internet noch lesen konnte, jemand habe sich Ihr Hörbuch «Ich kann auch anders» sogar während der Arbeit angehört und gleich davon profitieren können, staunte ich echt. Ist das wirklich möglich?

 

Isabel García: (lacht) Einige Inhalte lassen sich sehr schnell umsetzen. Zum Beispiel mehr Verständnis für das Verhalten anderer zu haben. Oder auch mehr Verständnis für sich selbst. Häufig wird uns suggeriert, dass wir anders sein sollen. Extrovertierter oder eloquenter oder tiefsinniger oder kreativer. Und in diesem Buch zeige ich, dass jeder Mensch, so wie er ist, völlig in Ordnung ist.

 

Diese Erkenntnis kann somit jeder sofort umsetzen. Um mein Modell in der Tiefe umzusetzen, braucht es aber in der Tat bei den meisten etwas mehr Zeit.

 

«Ob mir noch einmal etwas komplett Neues einfallen

wird? »

 

Sat: Für mich ist Kommunikation ein unerschöpfliches Thema, mit dem man sich sein ganzes Leben lang beschäftigen könnte …?

 

I.García: Das denke ich auch. Ich weiss schon so viel und je mehr ich weiss, desto bewusster wird mir, wie viel ich noch nicht beherrsche. Es ist ein alter Spruch und trifft komplett auf mich zu.

 

Trotzdem denke ich, dass wir mittlerweile auf Altbewährtes zurückgreifen, denn was wollen wir noch neu erfinden? In meinen ersten Büchern und

Hörbüchern habe ich alte Inhalte auf meine Weise neu verpackt. Das war sehr

erfolgreich und dennoch habe ich mir das nicht selbst ausgedacht. Das ist bei meinem EKT-Modell (Elementare Kommunikationstypen®), das ich in «Ich kann auch anders» vorstelle, allerdings anders. Umso gespannter war ich auf die ersten Rückmeldungen und Gott sei Dank sind die meisten begeistert.

 

Ob mir noch einmal etwas komplett Neues einfallen wird? Weiss ich nicht. Ich bin immer noch dabei an den Dingen zu arbeiten, die ich schon weiss, aber noch lange nicht ausreichend umsetze. Und am EKT-Modell habe ich über zwanzig Jahre gebastelt, herumgeschraubt, es weiterentwickelt und es ausreichend getestet.

 

Sat:. Funktioniere in einem Unternehmen die Kommunikation gut, könne das zu grösserem Erfolg beitragen, heisst es. Das Angebot an Seminaren und Workshops ist inzwischen entsprechend riesig.

 

Aber tut sich diesbezüglich wirklich etwas? Halten nicht eher immer noch viele das Reden und Kommunizieren für dasselbe? Und gelten im Wesentlichen nicht immer noch vorwiegend die Kommunikationsstile der Hierarchie?

 

I.García: In Deutschland ist dies überwiegend noch der Fall. Aber ich habe schon einige Unternehmen erlebt, bei denen das Beziehungsdenken vor dem Hierarchiedenken steht und die Zukunftsforscher (u. a. Faith Popcorn) sind der Meinung, dass dieser Trend sich immer stärker ausbreiten wird.

 

Häufig wird in Unternehmen nach Schema F ein Rhetorikseminar durchgezogen und das bringt in meinen Augen wenig. Die Teilnehmer fühlen sich nicht gesehen und haben keine Lust darauf, sich zu verbiegen. Deswegen sage ich in meinem Buch auch, dass jeder so bleiben darf wir er ist, und dass Weiterentwicklung möglich ist, ohne sich zu verbiegen.

 

Wenn ich ein Training gebe, dann gehe ich ohne Fahrplan in den Tag. Das klingt nach einem lockeren Job, aber in Wirklichkeit ist das sehr herausfordernd. Ich weiss vorher noch nicht, was ich an dem Tag machen werde und vertraue darauf, dass mir die passenden Übungen einfallen werden.

 

Warum ich das mache? Weil ich jeden Teilnehmer da abholen möchte, wo er gerade in dem Moment steht. Das frage ich am Anfang ab und baue das Seminar dann darauf auf. Damit jeder bekommt, was er möchte und braucht. Damit erziele ich Bestnoten bei den internen Bewertungsbögen. Mir wird allerdings immer gesagt, dass ich häufig die rühmliche Ausnahme sei.

 

Mir ist bewusst, dass natürlich das Reden sich auf das Verbale bezieht und Kommunikation findet auch in sprachlosen Momenten statt. Doch mir ist die innere Haltung des Kommunizierenden am wichtigsten. Und dabei ist es mir egal, ob er das Reden, die Kommunikation und die Rhetorik korrekt zuordnen kann. Wichtig ist Neugierde und ein ehrliches Interesse an meinem Gegenüber. Ganz gleich, ob ich mit jemandem rede, den ich mag oder nicht leiden kann. Eine Kommunikation, die nicht auf Augenhöhe stattfindet, ist nicht zielführend.

 

«Einem  Choleriker zu sagen, dass er sich nicht aufregen soll, hilft wenig.»

 

Sat: Es ist ja erwiesen, dass Menschen, die nicht mehr fähig sind, Informationen und Wahrnehmungen emotionale Bedeutungen beizumessen, im alltäglichen Leben innert kurzer Zeit jegliche Orientierung verlieren können.

Natürlich gibt es auch Menschen, die in der Lage sind, sich Bedeutungen durch rationale Begabung zu merken.

 

Von diesen Ausnahmen mal abgesehen - und kurz zusammengefasst - zeigen Sie in Ihrem Buch auf, dass unsere Kommunikation mit Gefühl verbunden sein sollte. Es kommt also darauf an, die Verbindung zwischen «Inhalt» und «Gefühl» für unser Gegenüber erlebbar zu machen, dabei aber unsere Emotion nicht irgendwie, sondern in eine «hilfreiche Art und Weise» zu steuern?

 

I.García: Bei meinem EKT-Modell gibt es einen Kommunikationstypen, der so gut wie gar nichts empfindet und einen, der wahnsinnig viele Gefühle hat. Es geht also auch darum, mal das Nichts zu fühlen.

 

Ich bin der Meinung, dass jeder von uns jeden Kommunikationstypen in sich hat. Jeder. Und ich zeige anhand einer klassischen Konditionierung, wie wir bewusst in eine Stimmung kommen können, die wir gerne hätten. Wir machen das ständig unbewusst. Wir hüpfen von einer Emotion in die andere, je nachdem mit wem wir reden, was uns gerade passiert und was wir gerade gehört haben. Dieses Talent schlummert also in jedem von uns und ich zeige mit dieser Konditionierung, wie wir dies auch bewusst hinbekommen. Damit wir jederzeit Stärken in uns aktivieren können, die nur darauf warten ausgelebt zu werden.

 

Und ja: Es geht ums Fühlen. In meinen Seminaren habe ich mit dem EKT-Modell unglaublich gute Erfahrungen gemacht und es gab in fast 20 Jahren keine einzige Person, die mit dem Modell nichts anfangen konnte und die Gefühle nicht hinbekommen hat. Alt und Jung, hochbegabt oder normal intelligent, Führungskraft oder Arbeiter. Insofern geht es in der Tat um Gefühle, doch ich weiss aus Erfahrung, dass es jeder hinbekommen kann, wenn er es möchte.

 

Aber noch einmal: Es geht darum, bewusst natürliche Stärken zu nutzen. Es geht darum, sich besser kennen zu lernen. Es geht nicht um Schauspiel und Maskerade. Ganz im Gegenteil. Es führt zu einem authentischen Auftreten, auch wenn dies im ersten Schritt widersprüchlich klingen mag.

 

Wir haben bei vielen Seminaren gehört und gelernt, was wir verbessern könnten. Das haben die meisten rational verstanden, konnten es aber gefühlsmässig nicht umsetzen. Und genau diese Lücke schliesse ich mit meinem Modell. Einem Choleriker zu sagen, dass er sich nicht aufregen soll, hilft wenig. Er weiss es, aber er kommt aus dem Gefühl nicht raus. Einem Melancholiker zu sagen, dass er nicht alles so persönlich nehmen soll, ist ein schöner Vorschlag, doch auch er bekommt es häufig gefühlsmässig nicht hin. Mit dem EKT-Modell aber durchaus. Und das ist der grosse Unterschied zu allen anderen Modellen. 

 

Entspannter mit anderen reden

 

Sat:  Ich arbeite momentan noch intensiv mit Ihrem Buch. Aber ich glaube, ich mache auch Fortschritte.

 

Am Anfang hatte ich beispielsweise grosse Mühe, auch nur einen kleinen Teil von jedem Superhelden in mir zu finden. Später merkte ich jedoch, dass ich von jedem der vier Elemente zwar tatsächlich etwas in mir habe, diese Stärken jedoch – wie Sie im Buch schreiben – bisher nicht richtig wahrgenommen habe.

 

Nachdem ich mir der inneren Anwesenheit meiner Superhelden schliesslich bewusste war, zweifelte ich dann aber erstmal. Ich fragte mich nämlich, ob ich denn wirklich auch behaupten dürfe, ich sei authentisch, wenn ich diese ins Spiel bringe?

 

Inzwischen - muss ich sagen -  faszinieren mich die von Ihnen beschriebenen Übungen jedoch immer mehr.

 

I.García :Bei dem Üben geht es darum, bewusst etwas zu fühlen, was bisher nur unbewusst ablief. Das mag sich für einige im ersten Schritt wie Schauspiel anfühlen, hat damit aber wenig zu tun. Es soll, wie gesagt, dem Choleriker helfen, nicht im Streit alle anzuschreien. Natürlich wäre es authentischer, wenn er es tun würde. Doch jeder Mensch hat auch andere Seiten (Superhelden, Kommunikationstypen) in sich. Warum nicht auf eine andere zugreifen, bevor ich die Ebene der wertschätzenden Kommunikation verlasse? Ich möchte, dass die Leser sich mit sich selbst wohler fühlen, und dass sie entspannter mit anderen reden können.

 

Wenn Sie schon selbst sagen, dass Sie alle vier Superhelden in sich erkannt haben, dann ist es doch keine Schauspielerei, wenn Sie die auch bewusst einsetzen.

 

Ich erinnere mich an eine Situation vor 20 Jahren, als ich mich selbst sehr bemitleidet habe und das ganze Leben blöd fand. Da rief meine Mutter an und meinte, dass es ihr und meinem Vater schlecht gehen würde und ob ich helfen könne. Schlagartig war ich in einer anderen Emotion, weil ich mir bewusst wurde, auf welch hohem Niveau ich gejammert habe.

 

Von diesen Situationen gibt es bei jedem von uns täglich hunderte. Unbewusst. Wenn ich die nun bewusst steuern kann, damit ich dann endlich mal einen Ausweg finde aus Kommunikationsfallen, ist dies dann Schauspiel? In meinen Augen nicht. Schauspiel würde bedeuten, dass ich etwas sage und tue, das überhaupt nicht zu mir passt und was dann schon eher einer Lüge gleichkommt. Davon nehme ich mit meinem EKT-Modell Abstand.

 

«Deswegen schreibe ich in meinem Buch auch immer wieder, dass es um Wertschätzung geht.»

 

Sat: Wer gut kommunizieren kann, hat den Schlüssel zum Erfolg! Wer gut zu

kommunizieren vermag, vermag gut zu manipulieren? Kann man das auch so sehen? Manipulation muss ja nicht negativ sein. 

 

I.García: Manipulation ist in der Tat ein neutraler Begriff. Und wir manipulieren ständig. Alle. Allein schon, wenn wir eine Frage stellen, manipulieren wir die Gedanken des Gefragten. Ich denke, dass wir nicht nicht manipulieren können, genauso wenig wie wir nicht nicht kommunizieren können. Selbst wenn ich nichts sage, manipuliere ich schon. Allein durch meine Anwesenheit, meine nonverbale Kommunikation.

 

Also: Ja. Wer gut kommunizieren kann, der kann auch gut manipulieren. Umso wichtiger ist es, immer wieder darauf hinzuweisen, wie wichtig eine wertschätzende Kommunikation ist. Das EKT-Modell ist sehr machtvoll und natürlich habe ich auch immer Respekt davor, dass jemand es für eine negative Manipulation einsetzen könnte. Deswegen schreibe ich in meinem Buch immer wieder, dass es mir um Wertschätzung geht.

 

Sat: Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus? Arbeiten Sie bereits an einem neuen Buch?

 

I.García: Ich bilde erst einmal EKT-Trainer aus, die mein Modell deutschlandweit unterrichten werden. Ich möchte, dass diese schöne Technik bekannter wird, um wirklich mal etwas zu verändern in unserem Kommunikationsverhalten. Im nächsten Jahr bringe ich dann ein Hörbuch für Schüler-Rhetorik heraus, das aber schon mal veröffentlicht wurde. Nur in einem anderen Verlag. Ich lege es noch einmal neu auf, weil ich so tolle

Rückmeldungen dazu bekam.

 

Ansonsten werde ich weiterhin Vorträge halten, als Mentorin arbeiten und meine «Ich Rede-Akademie» bekannter machen. Ein neues Buch ist derzeit nicht geplant.

  

Sat: Dann wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg. Herzlichen Dank, Frau García, dass ich Sie sich Zeit für meine Fragen genommen haben.