Heimat kann man sich machen

  

 

«Nicht

da ist man daheim,

wo man seinen Wohnsitz hat,

sondern wo man verstanden wird.»

Christian

Morgenstern

 

Sein, wer man sein will, Gleichgesinnte finden, sich am richtigen Platz fühlen: Heimat ist kein Ort, „Heimat ist ein Gefühl“, singt auch Herbert Grönemeyer in seinem 1999 erschienenen gleichnamigen Lied.

 

Für mich kann es der Moment sein, in dem ich den Zug verlasse, vom Bahnhof über das Central am nördlichen Ende des Limmatquais ins «Dörfli» einbiege und dann etwas später in der besonders malerischen mittelalterlichen Gasse im Niederdorf ankomme: am Rindermarkt. Jetzt bin ich wieder in Zürich und Erinnerungen werden wach. Erinnerungen an meine Grossmutter, mit der ich als Kind hier viel Zeit verbrachte.

 

Es hat sich zwar einiges verändert im "Dörfli". Kleiderläden und Restaurants haben dem Strassenleben den Garaus gemacht und der verruchte Glamour der früheren Jahre ist weg. Aber das Niederdorf hat mehr erlebt als jedes andere Quartier in Zürich und es braucht niemandem etwas zu beweisen. Genauso wenig wie ich.

 

Heimat ist dann auch für mich, wenn ich bei der Rückreise- vom sonnigen Zürich - in Baar von dickem Nebel umschlungen werde. Nebel ist hier keine Seltenheit. Daher mundet vermutlich vielen Baarerinnen und Baarern nicht nur die Zuger Kirschtorte, sondern auch das edle Fruchtdestillat so besonders.

 

Daheim fühle ich mich, wenn ich die Wohnungstür aufsperre, unser Hund mir entgegenspringt und mich aufgeregt begrüsst.

 

Daheim fühle ich mich, wenn ich sonntags gemeinsam mit meinem Mann koche. Auch wenn ich mich dabei jeweils in der Funktion eines Küchengehilfen engagiere.

 

Daheim fühle ich mich, wenn mir die Leiterin unserer Bibliothek bei meiner Bücherrückgabe von dem spannenden Roman erzählt, den sie gerade liest.

 

Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl: Wo mich die Menschen verstehen; wo ich mich nicht verstellen muss; wo Leute sind, die ich mag und die mich mögen, da bin ich daheim.

 

Heimat entsteht, wenn man die Fähigkeit hat, sich dort wohl zu fühlen, wo man ist. Wer das nicht kann, ist nie daheim – selbst wenn er seinen Geburtsort niemals verlassen hat.

 

Heimat kann man sich machen. Egal wo.