«Ich sehne mich nach der Stille»

  

«Die grössten

Ereignisse — das sind nicht unsre lautesten, sondern unsre stillsten Stunden»

 

  Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

 

 

Viele Menschen sehnen sich nach Stille. Sie verbinden damit Ruhe; einen tiefen

Frieden; im Einklang sein mit sich selber und mit anderen Menschen; ein

Verbunden-Sein mit der ganzen Welt – vielleicht sogar darüber hinaus. Eine Art

„lebendige Stille“ …

 

Aber meine Sehnsucht gilt einer anderen Stille

 

Ich habe lange Zeit Meditationsanweisungen befolgt, bei denen ich meine Aufmerksamkeit auf den Atem richtete, mich auf andere Körperempfindungen konzentrierte oder kontinuierlich ein Mantra wiederholte.

 

Dadurch lernte ich meine Gedanken auf eine bestimmte Wahrnehmung hinzulenken. Ich wurde dann auch ruhiger und stiller. Es erschien mir mit der Zeit jedoch immer mehr, dass ich dadurch Quälendes und Lebendiges nur beiseiteschob, unlebendiger wurde und mich von meinen Gefühlen und von dem, was ich erlebte, entfremdete. Ich fühlte mich zwar ruhiger und stiller, aber nicht unbedingt glücklicher.

 

Meine Sehnsucht gilt einer anderen Stille

 

Seit einiger Zeit nun, gehe ich auf folgendem Weg in "meine Stille":

 

Ich schliesse die Augen und beobachte meine Gedanken ohne sie zu bewerten oder mich von ihnen wegtragen zu lassen. Ich beobachte einfach, wie die Gedanken auftauchen und wieder gehen. Am Anfang fragte ich mich jeweils noch: Was wird wohl mein nächster Gedanke sein? Wo kommt der nächste Gedanke wohl her?

 

 

Inzwischen lasse ich die Gedanken einfach auftauchen und beobachte sie aufmerksam. Manchmal kommen auch bedrohliche Gefühle auf, dann stelle ich mich diesen desgleichen - weiche ihnen ebenfalls nicht aus.

 

Je mehr ich meine Gedanken und Gefühle zulasse, desto freier und gelöster fühle ich mich danach innerlich, und desto besser kann ich endlich eine tiefe innere Stille wahrnehmen.

 

Manchmal dauert es länger, bis ich „in dieser Stille“ ankomme. Manchmal sind die zeitlichen Phasen, in denen ich mich „in dieser Stille“ aufhalten kann, nur kurz.

 

Aber ich geniesse sie, diese Stille. Für mich ist sie heilend und manchmal schmerzt mich die Sehnsucht nach ihr geradezu.