Lasst uns das Beste daraus machen!

 

 

 

«Das Internet erschafft keine neue

Gesellschaft, es spiegelt nur die Gesellschaft wider. »

 

Roger Pfaff,

deutscher Aphoristiker

 

 

Spontan und schnell das sind die Adjektive, die unsere Kommunikation beim Netzwerken treffend beschreiben. Soziale Medien bieten uns die Chance, unsere Kreativität und unsere Beziehungen zu stärken. Aber dies bedingt, dass wir uns ernsthaft die Frage stellen, wie wir miteinander umgehen wollen.

 

Als freie Autorin schreibe ich regelmässig für zwei regionale Zeitungen in der Schweiz. Daher lege ich eigentlich Wert auf einen angemessenen Sprachgebrauch und kürze auch keine Wörter ab. Trotzdem erwische ich mich im Netz immer häufiger dabei, wie ich in ein Muster verfalle: Hier ein Smiley, dort ein « Hahaha». Doch sind im Netz inhaltliche Relevanz und Aktualität entscheidender als Sprache oder Grammatik?

 

Wir schreiben meist unter Zeitdruck

 

Wir posten immer mehr auf Facebook, kommunizieren immer öfter über WhatsApp und wir nehmen uns nur noch selten Zeit, uns an den Schreibtisch zu setzen und in Ruhe eine Nachricht zu verfassen.

 

Wenn wir schreiben, dann meist unter Zeitdruck und dabei achten wir kaum noch auf Gross- und Kleinschreibung, formale Aspekte oder die Zeichensetzung. Inhaltliche Relevanz und Aktualität scheinen im Netz entscheidender zu sein als Sprache oder Grammatik. Aber gehört die sprachliche Qualität eines Textes nicht auch zu jenen Kriterien, die uns dabei helfen, zwischen Wahrheiten und Unwahrheiten zu unterscheiden?

 

Er liebe es einfach, das Kribbeln einer Idee sofort zu teilen, erklärte mir kürzlich ein Blogger, mit dem ich mich über das Thema «Rechtschreibung im Blog» unterhielt. Daher poste er eben auch viele Texte, die er unterwegs schreibe. Beim Bloggen bleibe er daher dabei: Raus mit dem Inhalt, dann prüfen. Meist freue er sich, wenn er einen Fehler rechtzeitig sehe und dann noch korrigieren könne. Wenn nicht, sei das für ihn auch in Ordnung.

 

Es ist ein Fehler, keine Fehler machen zu wollen. Da ich perfektionistisch veranlagt bin, beneide ich diesen Blogger um seine Gelassenheit. Mir ist allerdings aufgefallen, dass es viele ungeduldige Blogger gibt, die am liebsten direkt alle Sterne vom Himmel holen würden. Zumindest glaube ich, dies jeweils an ihren Texten zu erkennen.

 

Erfolgreiche Blogger arbeiten viel

 

Was das Bloggen betrifft, habe mich im Netz nämlich ein bisschen umgesehen. Und ich habe bemerkt: Ein erfolgreicher Blog kommt nicht von allein. Bloggen ist viel mehr als ein paar coole Bilder und schnell dahingefetzte Texte.

 

Erfolgreiche Blogger setzen sich professionell mit ihren Themen auseinander, arbeiten viel und präsentieren sich und ihre Geschichte offen.  Heisst: Ein Muster, das ich bei erfolgreichen Blogs immer relativ schnell finden konnte, ist auch jenes der persönlichen Geschichte.

 

Diese wird oft auf extra dafür erstellten Seiten präsentiert und schildert, wie es zu dem Blog kam, oder warum jemand ein Profi in seinem Bereich ist. Da gut besuchte Blogs meist mehr bieten als schnell verfasste Texte,  sind diese persönlichen Geschichten meines Erachtens auch besonders wichtig.

 

Medizin gegen die digitale Paranoia

 

Wer sich jedoch so offen aufs Parkett der Sozialen Medien wagt, fürchtet nicht selten auch die volle Bandbreite menschlicher Gefühle wie  Freundschaft, Neid, Lächerlichkeit, Schadenfreude und anderer mehr.  Wir sollten aber nicht vergessen, dass es die Menschen sind, die Freude und Schaden verursachen und nicht die sozialen Medien.

Selbst aktiv zu werden, sei die beste Medizin gegen die digitale Paranoia, meint Dr. Jan Kalbitzer in seinem Buch «Digitale Paranoia» - Online bleiben, ohne den Verstand zu verlieren». Denn eines sei klar, so Kalbitzer:  In der analogen Welt bleiben könnten wir nicht mehr, die Reise habe bereits begonnen. Auch deshalb hätten wir begründete Sorgen von irrationalen Ängsten zu trennen. 

 

Jan Kalbitzer ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und forscht unter anderem am Zentrum für Internet und seelische Gesundheit der Charité Berlin.

 

Ich habe mir den Rat des Fachmanns zu Herzen genommen und den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Im Alter von 60 Jahren! Ich habe auf Facebook nun eine Seite eingerichtet. «Schreiben und lesen im digitalen Zeitalter» ist das Thema dieser Seite. Und ich möchte Blogger und Autoren dazu motivieren, sich in den verschiedenen Foren «glaubwürdig» zu präsentieren.

 

Und die übrigen Internet-Nutzer möchte ich hier anspornen,  sich – trotz der grossen Menge an Informationen, der sie täglich ausgesetzt sind –,  hin und wieder eine Auszeit zu gönnen. Um sich beispielsweise in Ruhe wieder einmal  Texten zu widmen, die zum Nachdenken anregen.

 

Soziale Medien bieten uns die Chance, unsere Kreativität und unsere Beziehungen zu stärken. Aber dies bedingt, dass wir uns ernsthaft die Frage stellen, wie wir miteinander umgehen wollen.

 

Wir User entscheiden immer wieder neu, was und wie wir über Onlinemedien kommunizieren, und wir beeinflussen damit das Medium selbst.

 

Lasst uns überlegen, wie wir das Beste daraus machen! 

Bild: Pixabay 

 

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