Kleinod mit wunderschönen Illustrationen

 

  

«Nirgendwo

ist der, der überall ist.»

 

Lucius Annaeus Seneca

 

 

 

 

Herr Sommer ist ein Sonderling. Jeden Tag, egal ob bei Sonnenschein oder Regen, hastet er durch die Gegend – zwölf, vierzehn, sechzehn Stunden am Tag. Aufgrund seiner Erscheinung kennt man ihn zwar in einem Umkreis von sechzig Kilometern, aber ansonsten weiss man

nichts über ihn.

 

Patrick Süskinds wohl bekanntestes Werk ist der Roman »Das Parfum« (1985), in dem der Parfümeur Jean-Baptiste Grenouille nach dem ultimativen Duft sucht und so zum Mörder wird. Sein Bestseller wurde 2006 von Tom Tykwer verfilmt.

 

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Ein Albtraum, der zum Märchen wird

 «Wir meinen, das Märchen und das Spiel gehöre zur Kindheit: wir Kurzsichtigen! Als ob wir in irgendeinem Lebensalter ohne Märchen und Spiel leben möchten!»

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

Die besondere Erzählsituation «der Geschichte in einer Geschichte», wirft oft ein überraschendes Licht auf das Geschehen. Alex Capus erzählt in seinem Buch «Königskinder» zwei wunderbare Liebesgeschichten.

 

 

«Soll ich dir eine Geschichte erzählen? Eine aus der Gegend

hier?»

 

«Eine wahre Geschichte?»

 

«Selbstverständlich eine wahre Geschichte, was glaubst du denn? Wieso sollte ich dir eine unwahre Geschichte erzählen?»

 

«Alles klar.»

 

«Ich wüsste gar nicht, wie das gehen sollte, dir eine unwahre Geschichte zu erzählen. Ich kann mir keine Geschichte aus den Fingern saugen, meine Finger geben das nicht her.»

 

«Ich weiß.»

 

«Wobei es gar nicht so wichtig ist, ob eine Geschichte wahr ist oder nicht. Wichtig ist, dass sie stimmt.»

 

Textpassage aus «Königskinder» von Alex Capus

ISBN:978-3-446-26009-2, 3. Auflage erschienen 20.8.2018

im Verlag Hanser

 

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«Wolken schaufeln» mit Kommissar Adamsberg


«Man glaubt, dass die Mystik ein Geheimnis sei, durch das

wir in eine andere Welt eintreten; sie ist aber nur, oder sogar, das Geheimnis

in unserer Welt anders zu leben.»

Robert Musil

 

 

Adamsberg, Chef der Mordbrigade im 15. Pariser Arrondissement, heisst mit Vornamen Jean-Baptiste und stammt aus einem Dorf in den Pyrenäen. Er geht den grössten Schrecknissen mit Gelassenheit entgegen und macht sich, wenn ihn keine Ahnung bewegt, am liebsten ans «Wolkenschaufeln». Die französische Schriftstellerin Fred Vargas ist schon lange kein Geheimtipp mehr, doch man möchte sie jedes Mal erneut als Entdeckung weiterempfehlen.

 

Eine Legende erzählt, dass es ganz oben im Norden von Island, dort, wo der Polarkreis verläuft und so auffallend viele Menschen hundert Jahre und älter werden, ein ganz besonderes Eiland gäbe, das ebenso gefürchtet wie begehrt sei.

 

Es heisst, dort gäbe es einen immer warmen Stein von der Grösse einer Stele, der von einem Afturganga, einer Art Zombie bewacht werde. Dieser Stein sei mit alten Inschriften bedeckt und wenn man sich auf diesen lege, würde man nahezu unverwundbar werden. Dies, weil man von Wellen durchströmt werde, die vom Erdinnern kämen.

 

Laut Legende ist die Insel von Grímsey aus ohne Weiteres über das Packeis zu erreichen. Ein kleiner Spaziergang also nur. Jedenfalls bei gutem Wetter. Wird das Wetter nämlich schlecht, wird die Insel zur Falle. Dann kann beispielsweise in Minuten so viel Nebel aufziehen, dass der Weg zurück über das Eis nicht mehr zu finden ist. 

 

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Gefühle dem Schein des Anstandes opfern

 

 

«Man kann sein Vaterland nicht mit einer Binde um die Augen lieben.»

Federico García Lorca 

spanischer Schriftsteller und Dichter

1898-1936

 

 

 

 

Das Stück «Bernarda Albas Haus» entstand vor mehr als 80 Jahren. Aber ist Ähnliches nicht auch heute noch zu erleben? Überall da, wo eine scheinbar übergeordnete Macht die Fäden in der Hand hält und dafür sorgt, dass niemand aus der Reihe tanzt, sondern möglichst alle unter Einhaltung aller gesellschaftlichen Normen ohne Widerworte auf den vorbezeichneten Bahnen dem Abgrund entgegenrasen?

 

Federico García Lorca wollte sein 1936 vollendetes Drama über die Frau

im ländlichen Spanien als fotografisch genaue Dokumentation verstanden wissen. Ohne Scheu vor Tabus legt er die autoritären, durch die Macht der katholischen Kirche gefestigten, verkrusteten Gesellschafts- und Familienstrukturen seiner Zeit offen. Die Grundstimmung seines Dreiakters «Bernarda Albas Haus» ist tiefschwarz und böse.

 

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Im Kopf des Monsters mitreiten

 

 

 

 

«Haltet die Bösen

immer voneinander getrennt.

Die Sicherheit der Welt

hängt davon ab.»

 

Theodor Fontane

 

 

Charles Lewinsky zählt zu den innovativsten und fantasievollsten Autoren der heutigen Schweizer Literatur. Dies beweist er unter anderem auch mit seinem Roman «Andersen», der sich wie eine Abhandlung über die menschliche Niedertracht liest. Eine äusserst raffiniert vorangetriebene Story. Abgründig und erschreckend. Sprachlich dicht und unheimlich. Ein Leseerlebnis, das mich kalt erwischte, verblüffte, irritierte, aber auch amüsierte.

 

In Charles Lewinskys Roman «Andersen» tritt man ein wie in eine Höhle. Vorsichtig, etwas geduckt. Eine Weile kann man nämlich nichts erkennen. Ein «Ich», noch ohne Konturen, erzählt aus diesem Finstern. Etwas später erkennt man jedoch, dass hier ein Wesen spricht, das tatsächlich im Dunkeln verharrt: Ein erwachsener Mensch, der seine Wiedergeburt erlebt.

 

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«Ich möchte lieber nicht» - «I would prefer not to»

 

«Ich sehe die Gestalt noch vor mir – farblos

ordentlich, Mitleid erregend anständig, rettungslos verlassen! Es war Bartleby.»

(Ausgabe «Bartleby, der Schreibgehilfe»;

übersetzt v. Elisabeth Schnack; erschienen im Manesse Verlag, Seite 22)

 

 

Herman Melville (1819-91) stammte aus einer verarmten New Yorker Familie. Er ging früh zur See und verdingte sich als Matrose, unter anderem auch auf Walfängern. Seine Reisen führten ihn bis in die Südsee. 1844 kehrte er in die USA zurück, lebte als freier Schriftsteller und war von 1866-85 als Zollinspektor in New York tätig. Der Romancier und Autor von Kurzgeschichten und Lyrik gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller. Sein Meisterwerk «Moby Dick» zählt zu den Klassikern der Weltliteratur.

 

«Bartleby the Scrivener» erst anonym veröffentlicht

 

«Bartleby der Schreiber» ist das erste Werk, das Melville nach «Moby Dick» verfasste. «Bartleby the Scrivener» wurde im November und Dezember 1853 zuerst in zwei Teilen anonym in der Zeitschrift «Putnam’s Monthly Magazine» veröffentlicht.

 

Die deutsche Erstübersetzung von Karl Lerbs erschien 1946 unter dem Titel «Bartleby» im Zürcher Arche Verlag. Seitdem sind zahlreiche weitere Übersetzungen unter verschiedenen Titeln wie «Der Schreiber Bartleby» oder «Bartleby, der Schreibgehilfe» veröffentlicht worden, teilweise mit Untertiteln wie «Das seltsame Leben eines Kanzleischreibers im alten New York» oder «Eine Geschichte aus der Wallstreet».

 

Zwei neuere Übersetzungen erschienen 2002 von Elisabeth Schnack im  Manesse Verlag, Zürich und 2010 von Felix Mayer im Kölner Anaconda Verlag. (Quelle Wikipedia )

 

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